historischer Stich der Klinikansicht aus südlicher Ansicht mit Ahrbruecke und Fluss im Vordergrund

Pressemitteilung von Dr. Christoph Smolenski anlässlich der Urkundenüberreichung zum
125. Betriebsjubiläum der Dr. v. Ehrenwall’schen Klinik durch die Industrie- und Handelskammer am 05.07.2002
 

Zur Geschichte der Dr. v. Ehrenwall’schen Klinik

Die Frage, warum Carl von Ehrenwall seine Klinik ausgerechnet in dem verschlafenen Rotweinstädtchen Ahrweiler gegründet hat, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben. Nach der Schulzeit in Ahrweiler und Neuss, wo er wahrscheinlich erste Kontakte zur Psychiatrie hatte, studierte er in Würzburg Medizin und promovierte hier.

Als 22-Jähriger gründete er die Klinik in Ahrweiler, zunächst in den Gebäuden des späteren Weingutes Schäfer in der Oberhutstraße der Altstadt. Da diese Gebäude zu klein wurden, begann Carl von Ehrenwall, der ab 1880 die alleinige ärztliche und wirtschaftliche Verantwortung des jungen Unternehmens übernommen hatte, den Neubau der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik vor dem Obertor. Sukzessive kaufte er Land auf und baute ein Gebäudeteil nach dem anderen, wie es bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Klinik möglich war.

Die Lage der Klinik in unmittelbarer Stadtnähe war zur damaligen Zeit ungewöhnlich, entspricht jedoch damals wie heute in idealer Weise den Forderungen einer gemeindenahen psychiatrischen Versorgung der Bevölkerung.
Von Ehrenwall führte in seiner neuen Klinik alle modernen Therapiemethoden ein und war seiner Zeit sicherlich in vielem voraus: Er richtete eine Kunst- und Ergotherapie ein, eine Sport- und Bewegungstherapie und führte die Patienten in die umgebende Landschaft zur Terraintherapie. Seine Vorliebe für innovative Technik war offenbar außerordentlich: Er richtete eine eigene elektrische Versorgung ein, als es diese in der Stadt Ahrweiler noch nicht gab. Er brauchte sie, um zahlreiche elektrisch betriebene Therapiemethoden zur Anwendung bringen zu können. Außerdem versorgte die elektrische Energiezentrale über Jahre die Stadt Ahrweiler und die „gleislose elektrische Bahn“ zwischen Ahrweiler und Neuenahr mit Strom. Er stellte die Energie- und Wasserversorgung der Klinik auf eigene Füße. Wie viele andere psychiatrische Kliniken, richtete er eine eigene Landwirtschaft ein, so dass die Klinik über viele Jahrzehnte von eigenen landwirtschaftlichen
Produkten leben konnte.

Die beiden Weltkriege überstand die Klinik unter wirtschaftlich schwer belasteten Bedingungen. In beiden Kriegen diente sie als Lazarett. Im zweiten Weltkrieg wurde in den letzten Kriegsmonaten ein Gebäudeteil, das „Schlösschen“, von Bomben zerstört, zahlreiche Patientinnen und Mitarbeiter fanden dabei den Tod. Der Ersatz dieses zerstörten Gebäudeteiles konnte erst in den 70er Jahren vollzogen werden - die moderne Schlösschenklinik beherbergt heute die geschützte und Aufnahmestation für Frauen.
Die Klinik, die zunächst ausschließlich privat zahlende Patienten behandelte, schloss bereits 1913 einen Vertrag mit der damaligen Reichsversicherungsanstalt für Angestellte und behandelt seit diesem Zeitpunkt bis heute Patienten in Rehabilitationsverfahren. 1972 wurde die Klinik in den Landeskrankenhausplan des Landes Rheinland-Pfalz aufgenommen und steht seitdem der akuten Krankenhausversorgung gesetzlich versicherter Patienten offen. In den letzten beiden Jahren übernahm die Klinik im Rahmen der Psychiatrieplanung des Landes Rheinland-Pfalz die Pflichtversorgung für den Landkreis Ahrweiler, d.h. für den nördlichsten Teil des Landes Rheinland-Pfalz. Um den sich ändernden und wachsenden Anforderungen der modernen Medizin gerecht zu werden, entstanden in den letzten drei Jahrzehnten neben der schon erwähnten Schlösschenklinik ein neuer Bettentrakt, eine neue Abteilung für physikalische Therapie und eine Sporthalle.
Mit der Übernahme der regionalen Pflichtversorgung errichtete die Klinik in den letzten Jahren eine Tagesklinik im Haus Mühle, seit zwei Jahren läuft der grundlegende Umbau des alten Zentralhauses an der Walporzheimer Straße, um die Klinik der neuen Aufgabenstellung anzupassen.
Ca. 40 Ärzte, Psychologen, Sozial- und Ergotherapeuten und fast 80 Pflegekräfte betreuen die Patientinnen und Patienten, denen seit kurzer Zeit auch eine Psychiatrische Institutsambulanz zur ambulanten Behandlung zur Verfügung steht. Insgesamt beschäftigt die Dr. von Ehrenwall’sche Klinik ca. 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist damit größter Arbeitgeber im Ortsteil Ahrweiler.
Unternehmerischer Mut, ständige Investitionsbereitschaft, hohes fachliches Engagement und ein wacher Blick für die Anforderungen der Zukunft haben die Klinik über 125 Jahre zu einem anerkannten Fachkrankenhaus gemacht, das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und anerkannt ist. Die Spezialisierung im Bereich der Psychotherapie und Psychotraumatologie haben es zu einem Zentrum in diesem Bereich in der Bundesrepublik werden lassen. Den zunehmenden Erfordernissen einer engeren Verzahnung der medizinischen Leistungsanbieter folgend kooperiert die Dr. von Ehrenwall’sche Klinik mit dem benachbarten Krankenhaus Maria-Hilf im Rahmen einer Schlaganfalleinheit. Mit dem gleichen Krankenhaus wird die Einrichtung einer psychosomatischen Versorgungseinheit geplant, die in den
nächsten Monaten ihre Arbeit aufnehmen wird.

Schwarz-weiss-Fotografie des Klinikgruenders Carl von EhrenwallDr. Carl von Ehrenwall
- Klinikgründer -

historisches Schwarz-weiß-Foto vom Gebaeude Altes Badehaus mit umgebendem Park   historisches Schwarz-Weiß-Foto der im zweiten Weltkrieg zerbombten Villa Griesinger
Altes Badehaus   Villa Griesinger
- zerstört im II. Weltkrieg -
     
Villa Sofia-historisches Schwarz-Weiß-Foto    
Villa Sophia    
     
Historisches Schwarz-Weiß-Foto von Sporttherapie im Freien    Historisches Schwarz-Weiß-Foto vom Schwimmbad im Freien
Sport im Freien    Schwimmbad
     
     

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